bergbauernbuben im nebel

wie stellt man sich das ende der welt vor? und nebenbei, was fasziniert den menschen eigentlich immer wieder an grossflaechigem scheitern des gemeinwohls? nun zumindest zur ersten frage will ich mir heute klarheit verschaffen. wir besuchen die aussichtsplattform „world’s end“ – de name ist natuerlich nicht programm, wenngleich man in grauer vorzeit sicher haette meinen koennen, ein klippenvorsprung mit mehreren hundert metern abhang wuerde so eine situation darstellen.

in meiner bescheidenen welt traegt das ende der welt nur die farbe schwarz, ist losgeloest von zeit und raum, laesst auch sonst kein weiteres gedeihen von freien gedanken zu und ist obendrein noch weit weg. der freie fall im nirgendwo – so viel dazu.

im dunkeln tappen

der wecker toent mit seiner sanften melodie bereits um 4.45h – Michi hatte ihn am vortag noch gestellt. ansonsten haetten wir wohl verschlafen, fruehes zu bett gehen stellt mich auch im urlaub immer wieder vor eine neue herausforderung an der ich meist scheitere. das problem aktuell war jedoch ein anderes – kein strom. mit all seiner haerte werden wir daran erinnert, uns doch in einem entwicklungsland aufzuhalten. also erst mal mit dem handydisplay den durchblick verschaffen und ab ins – brrr – eiskalte bad. (das fenster laesst sich dort nicht schliessen – was jedoch nur ein tropfen auf den heissen stein waere, fensterdichtungen kennt man hier noch nicht). draussen hat es frische temperaturen, irgendwo zwischen 5 und 10 grad. nachdem wir uns durch die finsternis gekaempft hatten und puenktlich um 5.30 auf der matte standen, ging es auch schon los. eine stunde anfahrt bis zum startpunkt. und wiedermal begleitet mich ein flaues gefuehl um die magengegend. die tintenfische am vorabend waren wohl doch nicht des kochs beste tat.

this is not allowed

nachdem wir den grenzposten zum eingang in den nationalpark erfolgreich passiert hatten – inklusive bezahlung der fragwuerdig zusammengesetzten gebuehren – wurden wir erstmal kontrolliert. jeder einzeln. vor uns drei japanerinnen. bei denen blieb im rucksack gleich kein teil auf dem anderen. der nationalpark sheriff durchwuehlte mit aller gruendlichkeit deren taschen auf der suche nach verstecktem plastik. die mitnahme dieses war strengstens untersagt, ebenfalls wie feuerzeuge (alle raucher wird es gefreut haben) und alle anderen leicht entflammbaren materialien. jedenfalls durfte unsere japanische kollegin einiges abgeben. bei uns ging der check reibungslos von statten.

gegen den strom

den checkpoint hinter uns gelassen, forderte die erste weggabelung wenige hundert meter nach dem start, die erste entscheidung. auf anraten unserers fahrers waehlten wir den weg zu unserer rechten, entgegen der route die von alle anderen beschritten wurde. alleine im nebel, im nassen nebel wohlgemerkt, trabten wir voran. erster halt war ein kleiner kuenstlich angelegter see bei dem wir kurzzeitig nicht mehr weiter wussten, dann aber doch wieder die richtige faehrte aufnahmen. im wald und gebuesch angekommen, durften wir sogleich den wasserfall bestaunen. kurzes alibifoto und weiter gehts. der weg, der offenbar eine natuerliche wasserstrasse sein muss, liess immer wieder ausgeschwaemmte steine zum vorschein kommen. war aber bis auf die breitflaechig nassen stellen leicht zu passieren. stellte uns somit auch vor keine allzu grossen schwierigkeiten.

world’s end

mittlerweile kam die sonne zum vorschein, waermende sonnenstrahlen kuessten unser haupt und sorgten fuer eine positive stimmung. ohne es zu erwarten sahen wir an einer lichtung ploetzlich mehrere personen, die einen assen, die anderen sonnten sich, wieder andere blickten der sonne entgegen. wir waren also da, am ende de welt. atemberaubend, faszinierend und einfach nur schoen, der anblick des steil ablaufenden hangs. alles gruent, der morgentau glitzert und funkelt im schein der sonnenstrahlen.
zu meiner verwunderung waren hier an keiner stelle gelaender oder aehnliche sicherheitsmassnahmen angebracht. todesspringer haetten hier ein leichtes spektakulaer ihrer welt ein ende zu setzen.

der saft ist aus

wieder zurueck im guesthouse, ab unter die dusche. die zehn km wanderung hat sich dann doch hinsichtlich schweiss und geruch bemerkbar gemacht. Michi liess sich auch gleich vom sandmann verleiten die verlorene bettruhe nachzuholen. waehrenddessen blaetterte ich in meinen zeitungen und versuchte routenvorschlaege fuer unsere weiterreise ausfindig zu machen. alles andere war nicht, den strom gibt es nach wie vor keinen. vermutlich in der ganzem stadt nicht, so lasse ich die zeit seelig bei einer kanne tee verstreichen und warte bis Michi seine augenlider hebt.