natur + wir

flexibel muss man sein, auch in der freizeit. man weiss ja schliesslich nie was kommt.
am montag war entspannung angesagt. nach der weniger kräfteschonenden tour auf den 2810 m hoch gelegen seekofel, wollten wir erst wieder am heutigen dienstag eine bergwanderung unternehmen. nichts desto trotz wollten wir uns dennoch bewegen. ein kurzer auslauf sozusagen. gerade so weit, dass unsere muskeln wissen, dass sie noch leben und gebraucht werden. geplante obsoleszent ist nicht. die moarhofalm sollte es also sein, ehe wir heute wieder in weit höhere gefilge aufsteigen wollten.

plan b

ursprünglich war der peitlerkofel angedacht. bis heute morgen um acht schien dem auch nichts entgegen zu stehen. doch Michi – der fuchs – wollte nummer sicher gehen und checkte kurz vor abfahrt noch die anfahrtsstrecke. dabei stellte sich heraus, dass der zufahrtsweg wegen asphaltierungsarbeiten gesperrt sein soll. wie dem auch sei, berge gibt es hier ja in hülle und fülle – oder etwas platter ausgedrückt „zum saufüttern“. plan b – rieserfernerhütte. 2792m. startpunkt: rein in taufers. auf los gehts los.

 die leichte muuhhh

das erste stück führte uns eben hinein in den wald. ein leichter anstieg auf gut präpariertem weg sollte folgen. nach und nach wurde es immer steiler, der weg jedoch nicht schlechter. die wegebauer haben da ordentliche arbeit geleistet. super ausgeschildert und bestens begehbar. die erste stunde ist vergangen und wir erreichten eine almhütte auf einem hochplateau. weit und breit keine menschenseele. nur Michi, ich und die natur. …auch einige vierbeinige muhs waren noch mit von der partie. die konnten aber nicht sprechen. waren aber auch nicht unbeding von unserem anblick angetan. ein kalb näherte sich sehr mutig. sie wollte offenbar mehr über dieses eindringlingsgesindel erfahren. doch siegte auch hier der soziale gedanke der tiere und nicht das blaue geschwafel eines hetzpredigers. sie ließen uns in ruhe und gingen wieder fröhlich dem grasen nach. wir konnten uns eine kleine stärkung zuführen, ehe es wieder ans eingemachte ging.

wo ist das ziel?

das breite talplateau ließ hinsichtlich panorama keine wünsche offen. nur das ziel – das ziel blieb uns noch verwehrt. und so setzten wir brav einen fuß vor den anderen, immer den wegweisern entlang. über bäche, schneefelder, stock und stein… doch nichts zu sehen. weit und breit keine hütte. immer weiter hinauf ging es. der weg wurde zunehmend felsiger, das gestein brüchiger und die sonne wärmer 🙂

big brother is watching you

mehrmals war der weg mit frischen exkrementen von steinböcken oder gämsen dekoriert. keiner dieser prächtigen vierbeiner wollte sich jedoch mit stolzer brust uns zeigen. schade wie ich finde. diese majestätischen gebirgsgrillen faszinieren mich immer wieder aufs neue. es war wohl davon auszugehen, dass diese tiere uns weit vor ihnen sichten und dementsprechend das weite suchen konnten. man ist eben doch nicht alleine – auch wenn es so scheint. bis zu diesem zeitpunkt hatten wir keinen weiteren menschenkontakt – bis auf den senner der zweiten alm, doch der zählt nicht. ist ja dauergast auf seinem almfeld.

endlich ein licht

vor jeder überwundenen anhöhe dachte ich mir „dahinter muss es sein – wir sind bald da“ aber nichts. ich wurde immer wieder enttäuscht, noch mehr fels und noch mehr höhe war zu bewältigen. in der zwischenzeit waren wir auch schon auf gletscherhöhe angelangt. rings um uns eine traumhafte bergkrone mit einigen gletscherfeldern. diese scheinen sich wohl immer weiter zurück zu ziehen – ein trauriger zustand. dennoch nicht weniger imposant wie es die natur schafft, so dermaßen rau, gewaltig und imposant zu sein und dabei sich fein, filigran und sanft durch die ebenen abzuheben. ein kontrastreicher und vor allem sehr schöner anblick – wer für details ein auge hat, wird hier belohnt.
weiter schritt für schritt zeigte sich zuerst der masten der materialseilbahn, dann die ganze hütte. endlich. doch bis dahin war ich felsenfest davon überzeugt, die hütte wird geschlossen sein. für wen sollte denn der wirt seinen laden öffnen, wenn wir die einzigen zweibeiner weit und breit waren…

berg heil

eine wehende fahne ließ vermuten, dass mein erster gedanke doch verfrüht war. auch die jalousien würde jemand auf diesen höhen wohl zu machen, wenn das lokal geschlossen wäre… die berghütte war also offen. himmelseidank. ankommen, hinsetzen und innehalten. bei weißbier und mit nakten zehen in der sonne die seele baumeln lassen.
essen gabs auch – gulasch mit knödel und den obligatorischen nachtisch in form eines apfelstrudels 🙂 man gönnt sich ja sonst nichts.

bergab

vor dem abstieg noch ein paar minuten bergsonne tanken. schuhe anziehen und bis zum nächsten mal.
eine empfehlenswerte tour, nicht unbedingt bei regnerischem wetter – da könnte es rutschig werden auf den vielen schieferplatten.