vom winde verweht

6.30 Uhr, Kötschach schläft noch. das Telefon ringt, ungläubig blicke ich auf den Wecker… ein kurzer Seufzer und die „Snooze-Funktion“ ist aktiviert. Weitere fünf Minuten im feinen warmen Bettchen wollte ich mir noch genehmigen. Ein kurzer, bewusster Schönheitsschlaf. Mehr diente er mir wohl, mich damit abzufinden, dass ich auch im Urlaub nur eine halbe Stunde mehr Schlaf haben soll, wie im Alltag. Aber gut, habe ich mir ja selbst zuzuschreiben. Also auf, Füße auf den Boden und rein in die Vertikale. Frühstück, Pausenbrote schmieren und herrichten. Um 8.00 war Treffpunkt vor dem Haus. Stefan und Stefan, unsere beiden Bergführer, waren ebenso pünktlich wie der Rest der Truppe. Alle bis auf Hannes, ein spannender Gesprächspartner aus der Andritzer Nachbarschaft, konnten an der Tour teilnehmen. Er verbrachte den Vormittag im Zimmer – konnte offensichtlich die Nacht aufgrund seines hartnäckigen Schnupfens, kein Auge zumachen.

Skier angeschnallt, los geht’s!

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein vom Feinsten – so begrüßte uns die Bergwelt. Traumhaft. Nachdem das gesamte Equipment in den Autos verstaut war, ging es den Plöckenpass hoch – wenige Kilometer bis zum heutigen Ausgangspunkt. Zieldestination: Wodnertörl.
Dann ging alles recht schnell. Die Gruppen teilten sich zügig auf, eine „schnellere“, eine die vermeintlich langsamer gehen sollte… Sollte aber nur ein Gerücht bleiben. Tatsächlich waren beide Gruppen bis auf wenige Meter gleich schnell. Anfangs ging es los durch den Wald, bis wir nach wenigen Höhenmetern bereits den ersten Graben erreichten und somit auch gleich den herrlichen Blick auf die Bergkulisse erhaschen konnten. Wir sahen schon von Weitem, dass die Gipfel ringsherum ziemlich vom Wind geplagt wurden. Die leicht erkennbaren Schneeverwehungen über die Grade ließen hierfür keine Zweifel offen. Wir ließen uns davon jedoch nicht abhalten, wir stiegen weiter.

…es hat so schön geprickelt, auf meiner Wange…

Entlang des Weges wurde der Wind auch talseits immer stärker. Wir erreichten die Höhe der oberen Valentinsalm. Der Wind blies uns über die Skier, manchmal hatten wir auch leichte Schwierigkeiten das Gleichgewicht zu halten. Immer und immer wieder mussten wir uns gegen die Windböen stemmen, um nicht komplett weggeblasen zu werden. Ungefähr auf 1.500 Meter peitschte der Wind so stark, ein Weiterkommen war kaum mehr möglich. Tapfer pressten wir uns gegen die Schneeverwehungen, die wie ein Peeling auf der Haut wirkten. Langsam aber sicher verlor ich das Gefühl auf meiner linken Wange inklusive Ohr. Und das obwohl ich eine Haube angezogen hatte. Brrr war mir kalt – also eigentlich nur auf den Fingern und im Gesicht. Die Schneekristalle schmerzten so sehr – dagegen war die Radltour durch den Hagel letzten Sommer ein Kinderspaziergang. Immer öfter mussten wir halt machen weil wir einerseits kaum geradeaussehen, andererseits auch nur mehr schwer den Weg identifizieren konnten. auf 1.660 m kam dann ein kurzer Zuruf von Stefan – „Wir drehen um, hat alles keinen Sinn.“ Ich dachte nur „abfellen und runter den Hügel, keine Zeit verschwenden mit Kleidung wechseln, Skischuhe anschnallen, Handschuhe wechseln.“ So wie ich hochgekommen bin, startete ich den Weg hinunter.

Schneeküsse

Diese Entscheidung bezahlte ich sogleich bitter mit einem kurzen Ausflug in den Tiefschnee. Dauerte auch ein bisschen, bis ich mich wieder gesammelt hatte, Skier angezogen und weiterfahren konnte. Kurzer Halt bei der Valentinsalm – dort glaubte ich zwischenzeitlich mir frieren die Finger ab 🙂 Ansonsten ging es mir gut. Aber so einen Wind habe ich meine Leben noch nicht erlebt. Die beiden Stefans sprachen von mindestens 120 km/h und dass sie ebenfalls so etwas noch nicht gesehen hätten. Wie dem auch sei, unten angekommen, rein ins Auto und ab ins Hotel. Aufwärmen und was essen. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir mit einer simulierten Verschüttungssuche, also graben und schaufeln 🙂 war lustig.

Den Tagesabschluss lauteten wir jedoch in der Sauna ein – ein bisschen Schwitzen soll ja gut tun nach einem solchen Tag. Ich bin gespannt auf das was der morgige Tag bringen mag.